„Arbeiterersatz“ aus Osteuropa
Bildquelle
Ruhrgebiet im Januar 1917

Kurze Erläuterung

Mit Kriegsbeginn 1914 wurden Millionen Menschen, insbesondere Männer, zum Kriegsdienst verpflichtet und mussten an der Front kämpfen. Sie hinterließen an ihren Arbeitsplätzen Lücken, die durch deutsche Arbeitskräfte und auch durch Frauen, die vermehrt in der verarbeitenden Industrie arbeiteten, nicht mehr kompensiert werden konnten. Aus diesem Grund wurden vermehrt Arbeiter:innen aus dem Ausland in der deutschen Kriegswirtschaft eingesetzt, die teils freiwillig angeworben und teils zu Zwangsarbeit verpflichtet worden waren.

Relevanz des Materials

In der Industrie wurden zunächst Arbeitskräfte aus Belgien, Frankreich und Italien eingesetzt, wobei grade die Zwangsarbeitsmaßnahmen, die in Belgien ergriffen worden waren, im Ausland auf derart harsche Kritik stießen, dass man von diesem Vorgehen abrücken musste. Als deutlich wurde, dass die westeuropäischen Arbeitskräfte allein nicht genügten, um die Wirtschaft ausreichend zu stützen, wurden schließlich auch osteuropäische Arbeiter:innen für die Industrie freigegeben, deren Einsatz zuvor nur für die Landwirtschaft zugelassen war. Die Reaktionen zum Einsatz der ausländischen Arbeitskräfte waren jedoch unterschiedlich. Während das mediale Echo auf die Verpflichtung belgischer Zwangsarbeiter:innen groß war, blieben die Misshandlungen von Zwangsarbeiter:innen aus Osteuropa in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend unbeachtet. So war beispielsweise das Vorenthalten von Nahrungsmitteln eine gängige Disziplinierungsmaßnahme. Die Behandlung der osteuropäischen Zwangsarbeiter:innen galt für die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg jedoch als Vorbild dafür, wie die Kriegswirtschaft effizient, kostengünstig und ohne Rücksicht auf menschliche Leben gestaltet werden könnte.

Mario Polzin

Lernort 

Das Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) in Bochum bewahrt die Sammlungsbestände des Deutschen-Bergbau-Museums sowie das Bergbau-Archiv mit Dokumenten von Unternehmen und Institutionen des Deutschen Bergbaus. Das Deutsche Bergbau-Museum widmet sich als Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen dem Erbe des Deutschen Bergbaus. Die Dauerausstellung des Museums zeigt in vier Rundgängen und einem Anschauungsbergwerk die Geschichte der Arbeit unter Tage.

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