Englische Kriegsgefangene
Bildquelle
Paderborn 1914

Kurze Erläuterung

Der schnelle Vormarsch der deutschen Truppen nach dem Kriegsbeginn im Sommer und Herbst 1914 führte dazu, dass tausende Soldaten der gegnerischen Truppen als Kriegsgefangene festgesetzt wurden. Diese mussten in zumeist improvisierten Lagern untergebracht und auch versorgt werden. Die Rahmenbedingungen konnten sich dabei von Lager zu Lager stark unterscheiden. Meist waren die hygienischen Zustände und auch die Nahrungsmittelversorgung schlecht. Es gab jedoch vereinzelt Vorzeigelager, aus denen Gefangene von ihrer guten Behandlung in Briefen und auf Postkarten berichteten. Der Einsatz von Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter:innen in Industrie und Landwirtschaft entwickelte sich dann ab dem Jahr 1915.
Die Fotografie stammt aus dem Kriegsgefangenenlager in der Senne bei Bielefeld, in dem im Laufe des Krieges bis zu 75.000 Gefangene interniert waren.

Relevanz des Materials

Die Fotografie, die scheinbar als Postkarte verwendet wurde, lässt sich als Teil des propagandistischen Programms des deutschen Militärs analysieren. Die gezeigten Kriegsgefangenen befinden sich bei den ersten Arbeiten an einem Kriegsgefangenenlager in der Senne, in der Nähe von Bielefeld, in dem sie selbst untergebracht werden sollten. Fotografien wie diese wurden im Kriegsverlauf gängige Motive der Flugblattpropaganda, mit der die Obersten Heeresleitung die Zivilbevölkerung zu einer weiteren Unterstützung für den zermürbenden Krieg anhalten wollte. Die schiere Menge an Kriegsgefangenen wurde als Zeichen der Überlegenheit des deutschen Militärs inszeniert: Da der Kampf für den Feind aussichtslos sei, würde er sich lieber ergeben.

Daniel Sobanski / Mario Polzin

Lernort 

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