Einweihung der Widukind-Gedächtniskapelle
Videoquelle
Enger 1939

Kurze Erläuterung
Widukind kämpfte im 8. Jahrhundert als Sachse gegen die Franken und unterwarf sich schließlich durch seine Taufe den Franken unter Karl dem Großen. Der Sage nach soll er in Enger im Sauerland begraben worden sein, nachdem die Menschen in Enger es als erste vollbracht hätten, auf seine Aufforderung hin eine Kapelle zu errichten. Als Ende des 19. Jahrhunderts ein neues Verständnis einer deutschen Nation entstand, wurde die historische Figur Widukinds zu einer Identifikationsfigur stilisiert. Widukind wurde dabei als kämpferischer Vorfahr der Germanen gedeutet und sein jahrzehntelanger Widerstand gegen die Franken unter Karl dem Großen als besonders vorbildhaft hervorgehoben. Die Widukind-Sage überdauerte das Mittelalter und wurde schließlich auch von den Nationalsozialisten propagandistisch missbraucht. Alfred Rosenberg, Leiter der geistigen und weltanschaulichen Erziehung der NSDAP, betonte immer wieder die Verbindungen zwischen Widukind, Hermann dem Cherusker und Adolf Hitler als deren ideellem Nachfolger, der nun die Kämpfe Widukinds fortsetzen würde.
1939 wurde in Enger die Widukind-Gedächtniskapelle eingeweiht. Schon die Feier selbst war eine propagandistisch aufgeladene Veranstaltung. In der Folgezeit kamen immer wieder Besucher:innen nach Enger, um die Kapelle zu besichtigen u.a. hielt eine Rundfahrt der SS im Ort. Begleitet wurde diese Besuchsfahrt mit einer Parade und einer Feier im Ort, bei der die Menschen mittelalterliche Verkleidungen trugen.

Relevanz des Materials
Der Amateurfilm zeigt die Bedeutung, die Widukind zum einen für die Stadt Enger aber auch für die nationalsozialistische Propaganda im Nationalsozialismus hatte. Die Einweihung der Gedächtniskapelle verlieh dem Ort eine Bedeutung, sodass er zu einer Pilger-Stätte für NS-Fahrten wurde. Aus den Filmausschnitten lässt sich auch das Selbstverständnis der Bürger:innen aus Enger herausarbeiten, die beispielsweise im Rahmen der Rundfahrt der SS ein großes Spektakel aufführten und in mittelalterlicher Verkleidung als Schmiede oder als Ritter auftraten. Diese Bedeutung wird auch darin deutlich, dass der Beginn der Filmsequenz als Farbfilm festgehalten wurde, was in den 1930er Jahren auch eine finanzielle Frage war, da Farbfilm deutlich teurer war als Schwarz-Weiß.
Zu Beginn der Filmsequenz ist der Engeraner Bürgermeister Brune zu sehen, die Eröffnungsrede hielt der Landrat Hartmann u.a. mit folgenden Worten: „Auch heute noch wirkt der Name Widukind als Fanal und Kampfansage. … Der Geist Widukinds soll durch diese Stätte und alle, die sich zu ihr bekennen, hineingetragen werden in die deutsche Zukunft, die ebenso groß und kämpferisch sein wird wie das Erbe des großen Sachsenherzogs, das wir übernommen haben…“
Die Aufschrift über dem verzierten Portal der Kapelle lautet:
„Dieses 1716 errichtete Haus ist im Jahre 1938, in welchem Adolf Hitler gegen den Willen einer feindlichen Welt das Großdeutsche Reich schuf, zur Widukind Gedächtnisstätte ausgestaltet worden. Allen Deutschen soll diese Stätte Kunde geben vom Heldentum des sächsischen Freiheitskämpfers und Volksführers.“
In der Kapelle ist folgender Schriftzug zu finden: „Solange noch ein einziger Deutscher lebt, stirbt WIDUKIND nicht.“

Theresa Hiller

Lernort 

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