Warteschlangen vor der Suppenausgabe
Bildquelle
Recklinghausen am 04.08.1916

Kurze Erläuterung

Seit Kriegsbeginn blockierte die Englische Marine die Deutschen Überseehäfen. Damit konnte Deutschland keine Lebensmittel mehr importieren und war völlig auf die heimische Landwirtschaft angewiesen. Die zunehmende Nahrungsmittelknappheit wurde durch eine schlechte Kartoffelernte im Jahr 1916 noch verstärkt. Der Winter 1916/1917 ging als „Hungerwinter“ oder „Steckrübenwinter“ in die Geschichte ein, da außer Rüben kaum noch Lebensmittel verfügbar waren.
Wie viele andere Kommunen richtete die Stadt Recklinghausen Kriegsküchen ein, um die hungernde Bevölkerung zu versorgen. Kriegsküchen bestanden bereits zuvor bereits in der Form von sogenannten Volksküchen. Diese waren jedoch zumeist für die ärmeren Bevölkerungsschichten in urbanen Zentren vorgesehen. Durch die sich immer weiter zuspitzende Nahrungsmittelknappheit waren immer mehr Menschen auf die Kriegsküchen angewiesen. Lebensmittelknappheit war durch das allgemeine Sinken der Nahrungsmittelproduktion aufgrund von Arbeitermangel, Importstopps und weiteren Faktoren in allen beteiligten Ländern ein Problem, im Falle des Deutschen Reiches aber auch verstärkt durch aktive Blockaden der Entente, insbesondere durch Großbritannien in der Nordsee. Insgesamt führte diese Nahrungsmittelknappheit zwischen den Jahren 1914 und 1918 im Deutschen Reich zum Hungertod von über 700.000 Zivilist:innen. Auch in den Folgejahren erholte sich die Situation nur langsam.
Die Fotos stammen aus der Sammlung der Recklinghäuser Gymnasialdirektors Joseph Schäfer (1867-1938), der unter anderem das Leben der Recklinghäuser Bevölkerung während des Ersten Weltkriegs dokumentiert. Mehr Informationen zu der Sammlung finden sich im Bildarchiv.

Relevanz des Materials

Die beiden Fotografien zeigen die Kriegsküche Recklinghausen-Hillerheide bei der Suppenausgabe. Auf den Fotografien sind Kinder und Frauen zu sehen, die in Blecheimern Suppe aus einem großen Topf entgegennehmen. Die Gesichtsausdrücke der Frauen sind dabei Männer sind auf den Bildern nicht zusehen, da sie großteils an der Front kämpften oder aber nicht primär für die Versorgung mit Lebensmitteln verantwortlich waren. Die Kleidung der Menschen lässt darauf schließen, dass es sich um einen „Armenspeisung“ handelte, sondern hier Menschen aller Bevölkerungsschichten versorgt werden mussten. Suppen boten sich für diese Massenversorgungen an, da sie gut verteilt und transportiert, aber im Zweifel auch gut gestreckt werden konnten. Fleisch wird vermutlich nicht oder nur extrem selten Bestandteil gewesen sein.

Daniel Sobanski / Mario Polzin

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