Kurze Erläuterung
Angesichts der ab Juli 1918 intensivierten Gegenangriffe Frankreichs, Großbritanniens und der USA und der damit immer aussichtsloser werdenden Kriegssituation kam es unter den Soldaten des Deutschen Reiches vermehrt zu Streiks und Meutereien sowie zu Bemühungen einzelner Generäle, die Politik zur Beendigung des Krieges zu drängen. Sie wollten dadurch das Heer vor einer endgültigen militärischen Niederlage und somit auch den Ruf des preußischen Militärs bewahren. Durch diese Proteste und Bemühungen spitzte sich die innenpolitische Lage derart zu, dass am 9. November 1918 der amtierende Reichskanzler Max von Baden die Abdankung Kaiser Wilhelms II. verkündete und den Sozialdemokraten Friedrich Ebert, den Vorsitzenden der stärksten Reichspartei, zum neuen Reichskanzler ernannte. Ebert leitete umgehend Friedensverhandlungen ein und ließ am 11. November 1918 die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches unterzeichnen, die den Krieg nach vier Jahren und Millionen von Opfern beendete.
Die Fotografie zeigt einen Straßenzug in Siegen aus dem November 1918, der zum Empfang der aus dem Krieg heimkehrenden Soldaten geschmückt ist.
Relevanz des Materials
Anhand der Fotografie lässt sich der Mythos des im Kriege unbesiegten Heeres und somit der Kern der später von den Nationalsozialisten umfangreich und zentral instrumentalisierten Dolchstoßlegende thematisieren. Das Banner über der Straße heißt die „unbesiegten Helden“ willkommen, die im Zuge der Demobilmachung von der Front heimkehren. Das bezeugt, dass das Narrativ, das deutsche Heer sei während des Krieges unbesiegt geblieben, nicht erst rückwirkend von nationalistischen Kräften geschaffen worden war, sondern stets weit verbreitet gewesen ist. Diese Annahme kann mit der bedingungslosen Kapitulation des Reiches kontrastiert werden, um die weitreichende Verbreitung der Dolchstoßlegende nachvollziehen zu können. Gleichzeitig kann erarbeitet werden, wie diese Auffassung mit den Meutereien und Streiks unter den Soldaten in Einklang zu bringen ist, wobei auf Aspekte wie Kriegspropaganda eingegangen werden kann.
Mario Polzin
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