Kurze Erläuterung
Im Dezember 1914 kam es an mehreren Abschnitten der Westfront zu spontanen Waffenruhen zwischen deutschen und britischen Truppen, dem sogenannten Weihnachtsfrieden. Aus Enttäuschung über die harte Realität des Stellungskriegs kletterten Soldaten unbewaffnet aus den Schützengräben, sprachen miteinander, sangen, tauschten Proviant und Tabak und bargen Gefallene im Niemandsland. Der Weihnachtsfrieden blieb auf 1914 beschränkt, wurde aber bald verklärt und wird bis heute vor allem als Verbrüderung weißer, christlicher Soldaten erinnert. Kurze nicht-autorisierte Feuerpausen und informelle Vereinbarungen zwischen Feinden nach dem Prinzip Leben-und-leben-lassen gibt es bis in die heutige Zeit immer wieder in Kriegen.
Ein in der Lokalpresse abgedruckter Feldpostbrief eines Unnaer Soldaten des Infanterie-Regiments Nr. 16 „Hacketauer“ zeigt, dass auch indische Kolonialtruppen beteiligt waren. Der Autor schildert, wie sich seine Einheit in Französisch-Flandern mit indischen Soldaten verständigt. In diesem Frontabschnitt lagen unter anderem die 3rd Gurkha Rifles. Die Gurkhas waren aus Nepal stammende Infanteristen der britisch-indischen Armee, überwiegend Hindus und Buddhisten, bekannt für ihr gebogenes, langes Messer, den Kukri. Wie andere britische Frontsoldaten erhielten sie zu Weihnachten eine „Princess Mary Box“ mit Schokolade, Tabak und Grußkarte. Auch deutsche Weihnachtspakete wurden bei Verbrüderungen getauscht und ermöglichten so Begegnungen im Niemandsland.

Relevanz des Materials
Feldpostbriefe sind beliebte Quellen für die Erarbeitung des Ersten Weltkriegs, da sie einen Einblick in das subjektive Erfahren der Soldaten an der Front geben. Dieser Brief thematisiert dabei ein besonderes Ereignis, das auch in geschichtskultureller Perspektive interessant ist: Der sogenannte „Weihnachtsfrieden“. Herauslesen lässt sich neben der Besonderheit, dass auf beiden Seiten der Frontabschnitte nicht gekämpft wurde, sondern stattdessen im unmittelbaren Kampfgebiet gefeiert wurde, auch der Kontakt zu indischen Kolonialsoldaten, die auf Seiten der britischen Truppen während des Ersten Weltkriegs gekämpft haben. Die Präsenz der Kolonialsoldaten zeigt den globalen Charakter des Krieges, der nicht nur auf den unterschiedlichen Kontinenten stattfand, sondern die kriegsführenden Nationen auch vor logistische Herausforderungen stellt, wie z.B. Soldaten zur Kriegsführung zu verschiffen.

Leonard Dorn / Theresa Hiller

Lernort 

Das Stadtarchiv Unna bewahrt Urkunden, Akten, Karten, Fotos und Zeitungen zur Geschichte Unnas und der Ämter Unna-Kamen und Aplerbeck. Es ist im Zentrum für Information und Bildung (zib) am Lindenplatz untergebracht. Für den Unterricht bietet das Stadtarchiv vor Ort einen direkten Zugang zu Originalquellen: Städtische Unterlagen, Druckmedien und Nachlässe Unnaer Persönlichkeiten ermöglichen es Schülerinnen und Schülern forschend mehr über geschichtliche Themen zu lernen.

Ergänzend zum Stadtarchiv Unna bietet das Online-Projekt „Hellweg-Armageddon. Der Erste Weltkrieg in Unna“ einen leicht zugänglichen digitalen Quellenfundus. Das Blog stellt Zeitungsberichte, Fotografien, Postkarten und Kommentartexte zur „Heimatfront“ in Unna bereit und ordnet sie thematisch (z. B. Ernährung, Luftkrieg, Arbeiter- und Soldatenrat) sowie chronologisch nach Kriegsjahren. Die Quellen stammen aus Museen, Archiven und privaten Sammlungen. Damit eignet sich „Hellweg-Armageddon“ hervorragend, um Schülerinnen und Schüler ortsunabhängig mit lokalen Quellen zum Ersten Weltkrieg arbeiten zu lassen.
https://unna1914.hypotheses.org/

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