Bezugsschein für Brennholz
Sachquelle
Coesfeld 1918/19

Kurze Erläuterung

Die direkte Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges charakterisiert sich durch eine immense Mangelwirtschaft. Die Rückkehr der Soldaten ließ den erheblichen Wohnungsmangel deutlich werden. Darüber hinaus zwang die prekäre Versorgungslage in den Städten den Staat, die Zwangsbewirtschaftung der Landwirtschaft sowie die Rationierung der Grundnahrungsmittel beizubehalten. Diese Maßnahmen stießen bei den Bauern auf Widerstand, was einige dazu veranlasste, ihre Erzeugnisse am Schwarzmarkt vorbei verkaufen, um bessere Preise zu erzielen. Gleichzeitig wuchs der Unmut der unterversorgten Städter, die den als „Egoismus“ wahrgenommenen Eigenbedarf der Bauern scharf kritisierten.
Die Kohlelieferungen, die die Coesfelder Brennstoffhändler an die Bevölkerung weiterverkauften, waren zeitweise völlig unzureichend. Daher versuchte die Stadtverwaltung, die verfügbaren Bestände durch zusätzliche Liefer- und Transportvereinbarungen mit dem Eisenwerk und den ortsansässigen Fuhrwerkbesitzern zu erhöhen. Die Stromversorgung wurde erst ab 1920 flächendeckend im Stadtgebiet und in den Coesfelder Bauerschaften aufgebaut.

Relevanz des Materials

Der Bezugsschein für Brennholz (Brennholz soll hier stellvertretend für alle Ressourcen gelten) aus den Jahren 1918/19 veranschaulicht die Mangelwirtschaft und Zwangsbewirtschaftung, die durch die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs bis in die Nachkriegszeit Deutschlands bestand hatte. Die Quelle verdeutlicht die tiefgreifende Krise und ihre Auswirkungen auf das Alltagsleben. Diesbezüglich sind insbesondere die Rückkehr der Soldaten, der Wohnungsmangel sowie die anhaltende Rationierung von Brennstoffen sowie Lebensmitteln zu nennen. Dieses Dokument ermöglicht die Veranschaulichung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen anhand eines konkreten Beispiels.
Der Brennholzschein kann als Ausgangspunkt für Ausführungen bezüglich sozialer Spannungen genutzt werden. So können der Schwarzmarkt oder der Widerstand der Bauern gegen die Zwangsbewirtschaftung thematisiert werden. Darüber hinaus erlaubt der Bezugsschein eine Analyse der Wirkungen von Politik, Wirtschaft und Reaktionen der Gesellschaft. Hierbei wird ersichtlich, dass Ressourcenmangel langfristig eine Destabilisierung bedeuten kann, was für die Weimarer Republik prägend war. Das Material bietet sich außerdem an, um Krisen und deren Nachwirkungen im allgemeinen zu thematisieren und einen Vergleich zu heutigen Krisen herzustellen.

Dr. Hendrik Martin Lange / Sebastian Sayn

Lernort 

Das Stadtarchiv Coesfeld ist ein zentraler Erinnerungsort in Coesfeld. Es organisiert Gedenkfeiern und Vorträge, Unterrichtsmaterialien und Bildungsveranstaltungen. Aber vor allem: Es sichert das schriftliche Erbe der Stadt – dauerhaft und für jede und jeden zugänglich. Damit versucht es der Identität Coesfelds eine Heimat zu bieten – vom 12. Jahrhundert bis heute. Die Ratsprotokolle von 1923-1945 sind digitalisiert und online abrufbar. Außerdem gibt es einige Unterrichtsmaterialien zum Download.

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