Anfrage der SS zur Pogromnacht
Textquelle
Bielefeld am 14.11.1938

Kurze Erläuterung

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es im ganzen Deutschen Reich zu einerstaatlich initiierten Pogromnacht, in welcher SA- und NSDAP-Mitglieder sowie weitere Antisemit:innen tausende Geschäfte und Wohnungen jüdischer Menschen verwüsteten, unzählige Synagogen in Brand steckten und tausende Juden und Jüdinnen verhafteten oder ermordeten. Das Novemberprogrom diente dem Zweck, die gezielte Isolierung und Ausgrenzung sowie die Enteignung jüdischer Menschen voranzutreiben. Dies sollte durch ihre Vertreibung und die Zerstörung ihrer wirtschaftlichen Existenz erreicht werden. Die Nationalsozialist:innen bezeichneten diesen Vorgang als „Arisierung“. Um die Folgen ihrer eigens inszenierten Aktion besser abschätzen können, sandte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) einen Fragenkatalog an die Amtsinhaber der jeweiligen Städte und Gemeinden. Das hier vorliegende Schreiben vom 14. November richtete sich an mehrere Städte und Landkreise in Westfalen.

Relevanz des Materials

Mithilfe des Schreibens der Gestapo kann ein Einblick in die verbrecherische Vorgehensweise sowie in die menschenverachtende Ideologie der NS-Diktatur gegenüber ihren Bürger:innen geboten werden. Insbesondere wird die Systematik des staatlich geförderten Antisemitismus deutlich, die keinerlei Rücksicht auf Menschenrechte oder die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit erkennen lässt.
Der Fragenkatalog bietet darüber hinaus Hinweise darauf, wie sich das Regime den Ablauf der Pogrome selbst vorgestellt und was es sich von ihnen versprochen hat. Gleichzeitig wird in ihm abgefragt, wie die Geschehnisse von der nicht betroffenen Bürger:innenschaft aufgenommen worden sind. Dies steht im klaren Gegensatz zur üblichen Propaganda der NSDAP, welche die Pogrome stets als „Volkszorn“ und spontane Erhebung aus der Bevölkerung darzustellen versuchte. Auch die interne Bezeichnung als „Aktion gegen die Juden“ widerspricht diesem propagandistischen Narrativ. Das Material kann durch ein Antwortschreiben des Bielefelder Landrates ergänzt werden.

Heike Fiedler

Lernort 

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