Kürassier-Denkmal
Bildquelle
Münster 1924

Kurze Erläuterung

Münster war Garnisonsstadt und dementsprechend wurden nach dem Ersten Weltkrieg viele Ehrenmäler in der Stadt errichtet. Auf der Rasenfläche am Aegidiitor (Aegidiistraße/Weseler Straße) steht bis heute das Denkmal für die Gefallenen des „Westfälischen Kürassier-Regiments Nr. 4 von Driesen“. Das Denkmal hatte aber zwei Vorgänger. Das erste Denkmal stand ab 1924 auf dem heutigen Schloßplatz. Schon 1930 errichtete man am heutigen Standort ein aufwändiger gestaltetes Denkmal.1942 wurden die angebrachten Metall-Bildplatten für Kriegszwecke eingeschmolzen. 1964 gestaltete Bernhard Graf von Plettenberg, der auch im Nationalsozialismus erfolgreich als Künstler gearbeitet hatte, das jetzige Denkmal. Er orientierte sich dabei an dem Vorgänger von 1930.
Die linke Bildtafel zeigt vier Kürassiere im Panzerkampf in der Champagne 1918. Auf der mittleren Tafel ist ein reitender Kürassier vor einem Grab abgebildet. Auf der rechten Bildtafel sieht man zwei Soldaten auf Patrouille. Auf den Seiten stehen die rund 220 Namen der zwischen 1914 und 1920 gefallenen Regimentssoldaten.
Dem Kürassier-Regiment gehörten oft wohlhabende Bürger und Adelige an, die hohe gesellschaftliche Positionen einnahmen. Ihre militärische Bedeutung nahm aber im Ersten Weltkrieg rapide ab, da durch die Entwicklung der Kriegsindustrie Panzer statt berittener Soldaten wichtiger wurden. Das Regiment hatte im Ersten Weltkrieg Einsätze in Polen, Russland und Frankreich. 1919 war es an der Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes in Berlin beteiligt. Im selben Jahr wurde es dann in die neue Reichswehr als 2. Bataillon im Infanterie-Regiment Nr. 13 aufgenommen.

Relevanz des Materials

Das Denkmal zeigt eine Kontinuität der Kriegsverherrlichung über beide Weltkriege hinaus, die aus heutiger Perspektive nicht mehr angemessen erscheint. Die heutige Version von 1964 dient genauso wie seine beiden Vorgänger der „Heldenverehrung“ der Soldaten des Ersten Weltkriegs. Die Bildsprache entspricht dabei auch zwanzig Jahre später immer noch sehr derjenigen des Nationalsozialismus.
Herausarbeiten lässt sich im Aufbau des Denkmals oben der mit Flaggen geschmückte Brustpanzer („Kürass“). Daneben stehen links und rechts die Jahreszahlen der Gründung und Auflösung des Regiments. Mit den drei großen Bildern wollte der Künstler Einsatzbereiche des Regiments darstellen. Etwas erhöht steht mittig ein berittener Soldat vor einem Grab. Die unter dem Bild beginnende Inschrift zeigt die Absicht des Denkmals „Den Gefallenen Helden des Kürassier Regiments v. Driesen Westf. No. 4 zum Gedächtnis“. Links ist eine Kampfszene aus dem Ersten Weltkrieg dargestellt, auf der die Kürassiere mit Handgranaten gegen scheinbar übermächtige Panzer kämpfen. Rechts sind zwei Soldaten auf Erkundung abgebildet. Seitlich sind die Namen der gefallenen Regiments-Mitglieder angebracht. Insgesamt verdeutlichen alle drei Bilder eine heute unzeitgemäße Verherrlichung des Krieges und der Kriegshandlungen Insofern kann eine Beschäftigung mit dem Kürassierdenkmal als Anlass dienen, über zeitgemäße Erinnerungskultur im öffentlichen Raum zu diskutieren.
Weitere Informationen zum Denkmal stellt die Webseite des Stadtarchivs Münster zur Verfügung.

Dr. Hendrik Martin Lange / Theresa Hiller

Lernort 

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