„Pfaffenfeind“-Taler
Sachquelle
Lippstadt 1622

Kurze Erläuterung

Der protestantische Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel nahm Ende 1622 mit seinen Truppen die Städte Soest und Paderborn ein. Um die Aufstellung seines eigenen Heeres finanzieren zu können, plünderte er weitere Ortschaften im östlichen und südlichen Westfalen. Die herkömmlichen Plünderungen reichten jedoch nicht aus, um seine 21.000 Mann starke Armee zu finanzieren. Für die übrige Finanzierung ließ der Herzog den in Soest erbeuteten Paderborner Domschatz einschmelzen – darunter den Liborischrein, welcher zur Aufbewahrung des Körpers des Heiligen Liborius diente. Aus dem eingeschmolzenen Domschatz wurden die sogenannten Pfaffenfeindmünzen gefertigt. Allein die Plünderung stellte eine Schande und einen Angriff auf das katholische Fürstentum dar.

Relevanz des Materials

Die „Pfaffenfeindt“-Taler sind allein zur Finanzierung der protestantischen Armeen verwendet worden, sondern sind auch Ausdruck der protestantischen Haltung zum katholischen Klerus, welcher ihrer Ansicht nach den christlichen Glauben für ihre eigenen finanziellen Interessen missbrauchte und daher die Gunst Gottes verloren habe. Dies wird nicht zuletzt durch die auf Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel selbst bezogene Prägung des Talers deutlich, die den Münzen ihren Namen verlieh: „Gottes Freundt, der Pfaffen Feindt“. Die propagandistische Aufschrift stellt somit das eigene Vorgehen gegen die katholische Kirche als gottgefällig dar.
Die Einschmelzung und Umnutzung des katholischen Liborischreins und weiterer religiöser Wertgegenstände zur Finanzierung des Krieges wird hingegen auf der rückseitigen Prägung gerechtfertigt: „TOVT AVEC DIEV“, „Alles mit Gott“, umrahmt ein von Gott selbst geschwungenes Schwert, was wiederum davon zeugen soll, dass man sich selbst als „Schwert Gottes“ verstünde, Gott also den Kampf der Protestanten unterstütze und sämtliche Mittel dazu billige. Die eingeschmolzenen Kirchenschätze kämen somit einem „gottgerechten Kampfe“ zugute.
Anhand der Münzen können somit das Selbstverständnis der protestantischen Herrscher, allen voran Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel, die Bedeutsamkeit von Reliquien und weiteren Kirchenschätzen sowie die Schwierigkeit der Finanzierung großer Heere in langwierigen Kriegen thematisiert werden. Die Quelle lässt sich ideal durch den Schrein des Heiligen Libori sowie ein Spottbild zu dessen Einschmelzung ergänzen.

Helen Bittner / Mario Polzin

Lernort 

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