Schrein des Heiligen Liborius
Sachquelle
Paderborn 1628

Kurze Erläuterung

Der protestantische Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel nahm Ende 1622 mit seinen Truppen die Städte Soest und Paderborn ein. Um die Aufstellung seines eigenen Heeres finanzieren zu können, plünderte er weitere Ortschaften im östlichen und südlichen Westfalen. Die herkömmlichen Plünderungen reichten jedoch nicht aus, um seine 21.000 Mann starke Armee zu finanzieren. Für die übrige Finanzierung ließ der Herzog den in Soest erbeuteten Paderborner Domschatz einschmelzen – darunter den Liborischrein, welcher zur Aufbewahrung des Körpers des Heiligen Liborius diente. Aus dem eingeschmolzenen Domschatz wurden die sogenannten Pfaffenfeindmünzen gefertigt. Allein die Plünderung stellte eine Schande und einen Angriff auf das katholische Fürstentum dar.
Die Reliquien, die sich im Schrein befunden haben, gelangten jedoch im Jahre 1627 über Umwege zurück nach Paderborn, wo daraufhin ein neuer Schrein in Auftrag gegeben wurde, der sich in Form und Gestaltung an seinem Vorgänger orientiert. Dieser neue Liborischrein, der hier zu sehen ist, wurde schließlich 1628 fertiggestellt und enthielt fortan wieder die Reliquien des Paderborner Doms. An das Schicksal des ursprünglichen Schreins erinnern zwei Pfaffenfeindmünzen, die auf der Stirnseite, welche die Kreuzigungsszene zeigt, eingelassen worden sind.

Relevanz des Materials

Die Geschichte und Bedeutung des Liborischreins während des Dreißigjährigen Krieges kann umfangreich mithilfe der Pfaffenfeindmünzen sowie des Spottbildflugblattes erarbeiten werden. Der Schrein selbst kann dabei nicht nur als zentrales Anschauungsobjekt dienen, da er in weiten Teilen dem Original nachempfunden wurde, sondern darüber hinaus auch den zeitgenössischen Umgang mit der Geschichte des Schreines sowie die Bedeutung der in ihm bewahrten Reliquien verdeutlichen. So deutet die optische Anlehnung an den ursprünglichen Schrein darauf hin, dass der neu geschaffene Schrein die Traditionslinie des Originals fortführen soll. Dafür spricht auch der Umstand, dass der Schrein überhaupt erst mit der Rückkehr der originalen Reliquien in Auftrag gegeben worden ist, was diese Traditionsbewahrung erst ermöglichte. Die Einarbeitung der Pfaffenfeindmünzen unterstützen diesen Gedanken, da sie auch physisch einen Teil des Originalen im Neuen bewahren. Gleichzeitig können sie jedoch auch als Mahnmal oder als Symbol des Trotzens des Katholizismus gegen den Protestantismus gedeutet werden.

Helen Bittner / Mario Polzin

Lernort 

Das 1853 gegründete Diözesanmuseum in Paderborn ist das älteste seiner Art im deutschen Sprachraum. In dem 1975 über mittelalterlichen Gewölberäumen errichteten Neubau, der 1991 bis 1993 rundum erneuert wurde, wird die Sammlung heute konservatorisch angemessen bewahrt und in wechselnden thematischen Zusammenstellungen präsentiert. Die Sammlung umfasst über 12.000 Exponate. Mit den seit 1999 realisierten großen kunst- und kulturhistorischen Mittelalterausstellungen mit ihrem hohen Anteil an atmosphärisch dichter Inszenierung und Erlebnisqualität machte sich das Diözesanmuseum sowohl bei Besuchern als auch bei leihgebenden Institutionen einen Namen weit über die Region hinaus und ist in nationale und internationale Netzwerke eingebunden.

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