Situationsriss der Kohlenfelder im Kreis Thann
Bildquelle
Gelsenkirchen 1899

Kurze Erläuterung

Eine der weitreichendsten Folgen des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 war die Annektierung des Elsass und eines Teils von Lothringen. Die deutschsprachigen Gebiete an der Grenze zwischen Süddeutschland und Frankreich, welche Mitte des 17. Jahrhunderts an Frankreich gefallen sind, wurden bereits in den ersten Kriegswochen besetzt. Im Friedensvertrag trat Frankreich große Teile der Region an das Deutsche Kaiserreich ab. Letzteres wollte diese Gebiete mit deutschsprachiger Bevölkerung annektieren und damit gleichzeitig eine militärische Pufferzone schaffen. Elsass-Lothringen wurden schließlich als „Reichsland Elsass-Lothringen“ in das Reich eingegliedert. Das Gebiet war damit kein Teil eines Bundeslandes, sondern ein Territorium, das direkt von Berlin verwaltet wurde.
Daneben hatte Elsass-Lothringen auch wirtschaftliche Bedeutung, da in diesem Gebiet Kohle und vor allem Eisenerze (sogenannte Minette) vorkamen. Viele Werke gründeten Bergwerke und Eisenhütten in Elsass-Lothringen und dem benachbarten Luxemburg.
1899 versuchte die Gelsenkirchener Bergwerks-AG, eines der größten Montanunternehmen des Ruhrgebiets, Steinkohlevorkommen im Elsass zu erschließen. Dazu gründete die GBAG die Tochtergesellschaft Elsässer Bergwerke GmbH.

Relevanz des Materials

Der Situationsriss (Übersichtsplan) zeigt die Lage der verschiedenen Grubenfelder im oberelsäßischen Kreis Thann (heute im französischen Arrondissement Thann-Guebewiller). Dabei ist erkennbar, dass die Felder die Namen von Zechen in Westfalen tragen: Hansa (Dortmund), Shamrock (Wanne-Eickel), Hibernia und Elbe-Alma (Gelsenkirchen) sowie von politischen Persönlichkeiten: Kaiser Wilhelm II., Bismarck, Hohelohe-Schillingsfürst (Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Statthalter von Elsass-Lothringen), Moltke (Generalfeldmarschall Helmut von Moltke, Oberbefehlshaber im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71), Heinitz (Friedrich Anton von Heynitz, Bergbeamter und Gründer der Bergakademie Freiberg). Überlicherweise ist die Namensgebung der Zechen und Abbaufelder  keinesfalls zufällig: Hier soll sie dazu dienen, Verbindungen zwischen dem Ruhrgebiet und den neu dazugewonnenen Abbaufeldern im Elsass herzustellen. Damit werden auch Besitzansprüche manifestiert.

Daniel Sobanski

Lernort 

Das Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) in Bochum bewahrt die Sammlungsbestände des Deutschen-Bergbau-Museums sowie das Bergbau-Archiv mit Dokumenten von Unternehmen und Institutionen des Deutschen Bergbaus. Das Deutsche Bergbau-Museum widmet sich als Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen dem Erbe des Deutschen Bergbaus. Die Dauerausstellung des Museums zeigt in vier Rundgängen und einem Anschauungsbergwerk die Geschichte der Arbeit unter Tage.

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