Postkarte „Kaiserparade des VII. Armeecorps“
Bildquelle
Münster 1907

Kurze Erläuterung

Die Reichseinigung hatte ihre Grundlage in mehreren Kriegen, die Preußen gegen unterschiedliche Staaten führte. Das Militär blieb auch über die Kriegsjahre hinaus im Deutschen Reich gesellschaftlich prägend. Militärische Symbole waren überall präsent. Uniformen galten als schick und militärische Kultur, Begriffe und Umgangsformen drangen in jeden Bereich des alltäglichen Lebens vor. Durch die Einführung einer Wehrpflicht und eine dreijährige Dienstzeit gingen alle Männer durch diese „Schule der Nation“.
Während die preußische Armee früher von adeligen Offizieren bestimmt war, ermöglichte der Militär zunehmend auch bürgerlichen und kleinbürgerlichen Schichten, durch den Militärdienst in der Armee Karriere zu machen und damit gesellschaftliches Prestige zu erlangen. Militärische Zeremonien wie Paraden waren in der wilhelminischen Ära beinahe alltäglich und Aufmärsche militärischer Einheiten gehörten zu nationalen Feiertagen wie dem Geburtstag des Kaisers oder dem Sedantag dazu. Das Militär war damit zu jeder Zeit in der Öffentlichkeit selbstverständlich präsent.

Relevanz des Materials

Die Postkarte zeigt die Darstellung einer Parade des VII.-Armeekorps, eines Großverbandes, dessen Zentrale in Münster stationiert war und dessen Übungsplatz auf der Senne bei Paderborn lag. Dass dieses Ereignis auf einer Postkarte festgehalten wurde, zeigt wie großen Anklang es gefunden hat. Denn Ansichtskarten waren so etwas wie das WhatsApp des 19. Jahrhunderts. Man konnte kurze Botschaften verschicken und durch das Bild auf der Vorderseite jedem:jeder mitteilen, bei welchen Veranstaltungen man teilgenommen hat. Allgemein lässt sich an der Postkarte erkennen, dass Militarismus und solche Paraden die Gesellschaft des Kaiserreichs im Alltag prägten.

Daniel Sobanski

Lernort 

Das LWL-Freilichtmuseum Detmold zeigt historische Gebäude aus 500 Jahren westfälischer Geschichte. Anhand der Originalgebäude und zahlreicher Originalobjekte vermittelt das Museum vielfältige Themen von Alltagskultur und Ökologie bis zum historischen Bauwesen. Für Schüler:innen bietet das Museum eine große Palette an Führungen und handlungsorientierten, museumspädagogischen Aktionen. Es gibt sogar eine museumseigene Jugendherberge, in der Gruppen spielerisch lernen, wie das Leben früher aussah.

LWL-Freilichtmuseum Detmold