Mitteilung über den Tod Hermann Hussmanns
Textquelle
Bochum 13. Februar 1943

Kurze Erläuterung

Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871 wurde der § 175 in das „Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich“ aufgenommen. Dieser kriminalisierte sexuelle Handlungen zwischen Männern und stellte sie als sogenannte „widernatürliche Unzucht“ unter Strafe. 1935 verschärften die Nationalsozialist:innen den Tatbestand erheblich. Nun konnte bereits der bloße Verdacht auf eine intime Beziehung zu einem anderen Mann zu einer Verhaftung führen. Zwischen 1933 und 1945 wurden rund 50.000 Männer nach § 175 verurteilt. Circa 10.000 Männer wurden in KZ deportiert und ab etwa 1938 mit dem sogenannten „rosa Winkel“ gekennzeichnet, stigmatisiert und oft besonders brutal behandelt. Viele wurden ermordet. Die Verfolgung traf jedoch keine homogene Gruppe und war dabei oft mit rassistischen oder politischen Motiven verknüpft. Zudem identifizierten sich nicht alle Verfolgten selbst als homosexuell. Die Verfolgung des Bergmanns Hermann Hussmann (geb. 1908) aus Bochum, kann hier als regionales Beispiel dienen. Am 5. Februar 1943 wurde Hussmann verhaftet und einen Tag später verhört. Ihm wurde der Tatbestand „Unzucht mit Männern“ vorgeworfen. Rechtsbeistand hatte er zum Zeitpunkt des Verhörs nicht. Seine Wohnung wurde durchsucht und am 9. Februar 1943 wurde er vom Polizeigefängnis in die Untersuchungshaftanstalt Bochum überstellt. Im April erfolgte die Anklage gegen Hermann Hussmann und B. wegen „Sittlichkeitsverbrechen“ und Vergehen nach § 175, §§ 20a und 42e („gewöhnliche Berufsverbrecher“), sowie weiteren Paragrafen. Am 31. Mai 1943 sollte er der Strafkammer des Landgerichts in Bochum vorgeführt werden. Zu einer Vorladung kam es nicht mehr. Laut Mitteilung der Untersuchungshaftanstalt Bochum verstarb Hermann Hussmann am 11. Mai 1943 durch Suizid. Ob diese offizielle Darstellung der historischen Wirklichkeit entspricht oder ob Hussmann in der Haft ermordet wurde, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren.

Relevanz des Materials 

Anhand eines Schreibens der Untersuchungshaftanstalt Bochum vom 13. Mai 1943 lässt sich Hermann Hussmanns Leidensweg rekonstruieren. Die Mitteilung informiert das Amtsgericht über Hussmanns Tod am 11. Mai 1943, der als Suizid mittels seiner Hosenträger dargestellt wird. Nimmt man diese Angaben als historische Tatsache an, zeugt das Dokument von der extremen psychischen Belastung und Ausweglosigkeit der Verfolgten im Nationalsozialismus. Gleichzeitig bietet die Quelle einen Ansatzpunkt, um die Kontinuitäten der Verfolgung homosexueller Männer nach 1945 zu thematisieren.

Elisa Gernert

Lernort 

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Hier werden nun Archivalien aus 12 Jahrhunderten verwahrt: rund 100.000 Urkunden, 36 Kilometer Akten, 80.000 Karten und Pläne, 3.400 Aufschwörungstafeln, 2.000 Handschriften, 4.500 Plakate, 2.000 Bilder und Fotos, sowie Elektronisches Archivgut. Eine Nutzung ist sowohl im Lesesaal als auch online möglich. Für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer steht unser Archivpädagoge als Ansprechpartner bereit.

Landesarchiv NRW – Abteilung Westfalen