Flugblatt mit Friedensreiter
Bildquelle
Westfalen 1648

Kurze Erläuterung

Der 24. Oktober 1648 gilt als der offizielle Tag des Friedensschlusses und damit des Endes des Dreißigjährigen Krieges. Die Verhandlungen dauerten fünf Jahre lang und waren nur unter schwierigsten Bedingungen möglich, denn die Kampfhandlungen wurden für die Verhandlungszeit nicht eingestellt. Der schlussendlich in Münster unterzeichnete Vertrag beendete jedoch den Dreißigjährigen Krieg und legte Beschlüsse zu konfessionellen Fragen und territorialen Regelungen fest.
Nicht nur bei der Kommunikation zwischen den Verhandlungsorten Münster und Osnabrück, sondern vor allem auch bei der Verbreitung des langersehnten Friedens spielten die sogenannten Friedensreiter eine wichtige Rolle. Ein solcher ist auf diesem Flugblatt des Briefmalers Marx Anton Hannas aus dem Jahre 1648 zu sehen. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages wurden Postreiter mit Flugblättern ausgesandt wurden, um die Bevölkerung über das Ende des Krieges zu informieren. Da viele Menschen in Westfalen zu dieser Zeit des Lesens noch nicht mächtig waren, konnten diese Friedensreiter die Kunde auch persönlich überbringen und wurden somit ein Symbol des Friedens.

Relevanz des Materials

Mithilfe des Flugblatts kann die Rolle sowie die Bedeutung der Friedensreiter nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges erarbeitet werden. Das Flugblatt zeigt einen Friedensreiter, der durch eine kriegsgezeichnete Landschaft reitet: im Hintergrund sind Ruinen zu erkennen, in der unteren Bildmitte ein Totenkreuz. Auch der gebückte Gang der Figur auf der Brücke deutet auf Leid hin. Dem gegenüber steht die Verkündung der frohen Botschaft, die im linken oberen Eck symbolisiert wird. Die Engelsfigur ist dabei farblich mit dem Reiter zu vergleichen. Besonders deutlich wird die Bedeutung des Friedensreiters hingegen vor allem durch die im oberen rechten Eck gezeigte Figur des Hermes bzw. Merkur. Der „Götterbote“ selbst übergibt dem Reiter die Botschaft und erteilt ihm somit einen „göttlichen“ Auftrag. Dabei trägt er seinen charakteristischen Hermesstab, der als Heroldsstab dem Boten Sicherheit und Immunität gewähren soll.
Auf Grundlage der Darstellung und der erarbeiteten Bedeutung der Friedensreiter kann anschließend ihre Rolle in der Erinnerungskultur thematisiert werden. So erinnert beispielsweise die Friedensroute zwischen Osnabrück und Münster an die Route der Reiter.

Mario Polzin

Lernort 

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