Kurze Erläuterung
Lucius Annaeus Florus war ein römischer Geschichtsschreiber, der im 2. Jahrhundert lebte. In seinen Werken beschreibt er die Geschichte Roms und geht dabei auch auf die Germanienfeldzüge und die Varusschlacht ein. Die Abfolge von Ereignissen und Ortsbeschreibungen werden an zahlreichen Stellen in den Schriften Florus nur ungenau beschrieben.
An dieser Stelle skizziert er kurz die Eroberungsgeschichte der „Provinz Germanien“ durch Drusus, auch Drusus Germanicus genannt, sowie den nur kurze Zeit später erlittenen Verlust der Region. Im Zentrum dieser Darstellung steht Publius Quinctilius Varus, der Nachfolger des Drusus. Laut Florus führten Varus‘ Sorglosigkeit und Unfähigkeit zu der für Rom katastrophalen Niederlage in der sogenannten Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr.. Dabei ist Florus‘ Schilderung der Ereignisse derart ungenau, dass sie auch mit dem damaligen Kenntnisstand der Geschichte, wie er bei zahlreichen anderen römischen Geschichtsschreibern des 1. Jahrhunderts zu finden ist, kaum etwas gemein hat.
Relevanz des Materials
Bei der Betrachtung des Materials ist zu beachten, dass es sich nicht um einen zeitgenössischen Quellentext handelt. Florus schreibt im 2. Jahrhundert über Ereignisse wie die Germanienfeldzüge und die Varusschlacht, die über ein Jahrhundert in der Vergangenheit liegen. Da allerdings davon auszugehen ist, dass Florus Zugang zu zeitgenössischen Überlieferungen der Varussschlacht gehabt hat und sich dennoch für seine Darstellung der Geschehnisse entschied, können die Motive hinter dieser Entscheidung diskutiert werden. Darüber hinaus bietet sich seine überspitzte Darstellung dazu an, unter Berücksichtigung der Perspektive den in ihr offensichtlichen Kontrast zwischen römischer Zivilisation und Überheblichkeit sowie der „barbarischen“ Kultur und Vorgehensweise der Germanen zu untersuchen und herauszuarbeiten, welche Aussagekraft das für das Germanenbild in der römischen Gesellschaft des 2. Jahrhunderts hat.
Auch wenn die Verortung der genannten Stämme nicht immer eindeutig möglich ist, so lassen sich doch für die Region rund um Westfalen beispielsweise die Stämme der Brukterer, Angrivarier, Cherusker, Marser und Chattuarier nennen, die dort ansässig gewesen sind.
Außerdem bietet sich ein Vergleich mit einer zeitgenössischen Darstellung der Varusschlacht an, wie etwa mit jener des Velleius Paterculus.
Joel Wichary / Mario Polzin
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