Aufruf zur NRW-Kommunalwahl 1948
Textquelle
Westfalen 1948

Kurze Erläuterung

Am 17. Oktober 1948 fanden die zweiten Kommunalwahlen in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen statt. Die Erfahrungen des Krieges sind noch frisch und Kriegsflüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie Kriegsrückkehrer berichten von ihren Erfahrungen mit der sowjetischen Armee. Dennoch war die KPD aus den ersten Kommunalwahlen des frisch gegründeten Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 1946 hinter der CDU und der SPD mit 9,4% der Stimmen als drittstärkste Partei hervorgegangen. Bei diesen Wahlen verlor die KPD deutlich an Zuspruch in der Öffentlichkeit, was sich an ihrem Verlust an Stimmen bemerkbar machte. Das veranlasste andere Teile der Bevölkerung, welche die Entwicklungen und Geschehnisse im sowjetisch besetzten Osten des Landes ungleich negativer betrachteten als die Kommunistische Partei dazu, sich explizit gegen den Kommunismus auszusprechen. Das hier vorliegende Plakat ist ein Beispiel dafür.

Relevanz des Materials

Dieses Plakat ist ein typisches Beispiel für die antikommunistische Propaganda der Nachkriegszeit. Es wird außerdem die zunehmende Polarisierung zwischen Ost und West sichtbar. Dabei ist zunächst einmal bemerkenswert, dass das Plakat keinesfalls für eine bestimmte Partei wirbt, sondern sich grundsätzlich nur gegen die KPD ausspricht, ohne auch diese dabei explizit zu nennen. Es wird auf polemische Art und Weise ein erschreckendes Bild der Ostzonen gezeichnet, und damit auch vor dem Unheil gewarnt, welches die Kommunisten ihrer Meinung nach bei größeren Erfolgen über den Westen bringen würden. Hervorzuheben ist zudem der Umstand, dass von den jüngst begangenen deutschen Verbrechen in Osteuropa keine Rede ist, jedoch Kriegsgefangenschaft, Konzentrationslager, Misshandlung und Hunger explizit als Untaten der sowjetischen Besatzer an Deutschen betont werden und somit eine undifferenzierte Umkehrung von Täter- und Opferrolle vonstattengeht.
Das Hervorheben des Leids der ostdeutschen Bevölkerung eben als Deutsche kann jedoch auch als Zeichen der Solidarität gewertet werden. Die Idee einer Differenzierung zwischen West- und Ostdeutschen ist hier noch keinesfalls erkennbar. Trotzdem zeigt sich durch die Betonung der unterschiedlichen Lebensumstände in Ost und West bereits ein Ansatz der Blockbildung, welche die nächsten Jahrzehnte prägen sollte.

Mario Polzin

Lernort 

Das Montanhistorisches Dokumentationszentrum (montan.dok) in Bochum bewahrt die Sammlungsbestände des Deutschen-Bergbau-Museums sowie das Bergbau-Archiv mit Dokumenten von Unternehmen und Institutionen des Deutschen Bergbaus. Das Deutsche Bergbau-Museum widmet sich als Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen dem Erbe des Deutschen Bergbaus. Die Dauerausstellung des Museums zeigt in vier Rundgängen und einem Anschauungsbergwerk die Geschichte der Arbeit unter Tage.

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