Kurze Erläuterung
Schon im Mittelalter wurde über Verwaltungsangelegenheiten ausführlich Buch geführt. So wurden etwa in Soest schon um das Jahr 1225 die ersten Gesetze schriftlich festgehalten, maßgeblich jedoch ca. 1350 im Alten Stadtbuch, der sogenannten Schrae. Die in ihr enthaltenen Gesetze wurden den Bewohnern der Stadt regelmäßig öffentlich verlesen, sodass sie auch jenen Menschen bekannt gemacht wurden, die das Buch nicht selbst lesen konnten. Ergänzend dazu wurde das sogenannte Nequambuch („Buch der Nichtsnutze“) angelegt, das Auskunft über Personen gab, die in der Zeit zwischen 1312 und 1421 gegen eben diese Gesetze verstoßen hatten und dafür bestraft worden waren. Das Buch wurde kunstvoll mit 13 Illustrationen ausgeschmückt. Diese beziehen sich nicht auf Vergehen bestimmter Personen, sondern zeigen ausgewählte Verbrechen, Bestrafungen und Szenen während der Rechtsprechung in der Stadt.
Relevanz des Materials
Anhand des Soester Nequambuchs kann verdeutlicht werden, dass die mittelalterliche Rechtsprechung in Westfalen nicht der bloßen Willkür der Entscheidungsträger unterlag, sondern dass über die Urteile und Verurteilten sogar Buch geführt wurde. Ausführliche Gerichtsprotokolle gab es zu dieser Zeit noch nicht, aber die sorgfältige Buchführung über die Straftäter und ihre Strafen deuten trotzdem auf ein reglementiertes Vorgehen hin.
Die Illustrationen geben Aufschluss über drei ausgewählte Verbrechen, die sich von den „alltäglichen“ Vergehen wie zum Beispiel Diebstahl abheben. In Kombination mit den Illustrationen zu einigen Bestrafungen für derartige Verbrechen kann ein bildlicher Eindruck von mittelalterlichen Lebensrealitäten und der zeitgenössischen Rechtsprechung vermittelt werden. Auch wenn die Illustrationen des Nequambuches keinesfalls ein vollständiges Gesetzbuch zeigen, ermöglichen sie doch eine Auseinandersetzung mit mittelalterlichen Vorstellungen von Recht und Unrecht. Darüber hinaus können die Bilder jeweils auf ihre Elemente und Figuren untersucht werden, um bildanalytische Methoden zu vertiefen.
Genauere Ausführungen zu den einzelnen Illustrationen sind im Gesamtpaket zu finden.
Mario Polzin
Das Stadtarchiv Soest ist das „Gedächtnis der Stadt“. Hier finden Sie die wichtigen Akten und Unterlagen der Stadtverwaltung, die sich im Lauf der Jahrhunderte angesammelt haben. Seit 2021 ist es gemeinsam mit dem Kreisarchiv Soest in der alten Landwirtschaftsschule gegenüber vom Archigymnasium untergebracht. Hier können Sie sich über Ereignisse der Soester Stadtgeschichte und der westfälischen Landesgeschichte informieren, hier stehen Ihnen alle in Soest erschienenen Zeitungen zur Verfügung, hier können Sie Fotos vom alten Soest und Soestern besichtigen.