Kurze Erläuterung
Während im Deutschen Reich die Monarchie zusammenbrach, der Kaiser abdankte und in Berlin die Republik ausgerufen wurde, vollzog sich auch in der Provinz Westfalen, wie hier vom 8. bis 10. November 1918 in Unna, ein rascher Übergang von der alten kaiserlichen Ordnung hin zu neuen, demokratisch legitimierten Machtstrukturen. Der Soldatenrat formierte sich aus Unteroffizieren und Mannschaften eines in Unna stationierten Ersatzbataillons des Feldheeres. Er verband sich mit Industriearbeitern, überwiegend Bergleuten und Drahtziehern, ergänzt durch wenige Angestellte und bürgerliche Vertreter, zu einem Arbeiter- und Soldatenrat, der mit Verordnungen sowie Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen für Ruhe und Ordnung sorgen wollte.
In Unna erzielte die Sozialdemokratie bereits in der Vorkriegszeit bei Reichstagswahlen hohe Wahlergebnisse. Aufgrund des Dreiklassenwahlrechts auf lokaler Ebene hatten die unteren, besitzarmen Bevölkerungsschichten bis zur Novemberrevolution 1918 jedoch lokal kaum Möglichkeiten zur politischen Mitwirkung und wurden von bürgerlichen Kommunalpolitikern regiert. Auch die im Artikel erwähnten, sozialen und wirtschaftlichen Forderungen der Bergleute verweisen auf die gesellschaftlichen Spannungen der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit. Das Hissen der roten Fahne bedeutete zumindest symbolisch einen deutlichen Bruch mit der alten Ordnung.
Insgesamt bildeten sich in der Provinz Westfalen mehr als 1.300 Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte, bevor ihre Bedeutung im Laufe des Jahres 1919 rapide abnahm und die neue parlamentarische Ordnung der Weimarer Republik in den Vordergrund rückte.

Relevanz des Materials
Der Zeitungsartikel im Hellweger Anzeiger schildert eindrücklich den Ablauf der Etablierung des Arbeiter- und Soldatenrates in Unna. Es wird deutlich, dass es sich in Unna nicht um eine radikale Revolution handelte, sondern um einen kontrollierten, eher gemäßigten Machtwechsel. Vertreter des Soldatenrats verständigten sich mit der Stadtverwaltung, der bisherige Bataillonskommandeur blieb im Amt und Soldatenvertreter und Sozialdemokraten mahnten eindringlich zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens und zur Vermeidung von Ausschreitungen. Herausarbeiten lassen sich sowohl die Vorgaben des Arbeiter- und Soldatenrates zur Verhinderung von Unruhen und auch Menschenansammlungen (Z. 14-26), als auch die Forderungen insbesondere der Bergarbeiter bei der sozialdemokratischen Versammlung, die versuchten, durch die Machtwechsel bessere Absicherungssysteme zu etablieren. Beide Perspektive zeigen den Umbruchscharakter der Zeit und die Versuche, neue Lösungswege zu erarbeiten.

Leonard Dorn / Theresa Hiller

Lernort 

Das Stadtarchiv Unna bewahrt Urkunden, Akten, Karten, Fotos und Zeitungen zur Geschichte Unnas und der Ämter Unna-Kamen und Aplerbeck. Es ist im Zentrum für Information und Bildung (zib) am Lindenplatz untergebracht. Für den Unterricht bietet das Stadtarchiv vor Ort einen direkten Zugang zu Originalquellen: Städtische Unterlagen, Druckmedien und Nachlässe Unnaer Persönlichkeiten ermöglichen es Schülerinnen und Schülern forschend mehr über geschichtliche Themen zu lernen.

Ergänzend zum Stadtarchiv Unna bietet das Online-Projekt „Hellweg-Armageddon. Der Erste Weltkrieg in Unna“ einen leicht zugänglichen digitalen Quellenfundus. Das Blog stellt Zeitungsberichte, Fotografien, Postkarten und Kommentartexte zur „Heimatfront“ in Unna bereit und ordnet sie thematisch (z. B. Ernährung, Luftkrieg, Arbeiter- und Soldatenrat) sowie chronologisch nach Kriegsjahren. Die Quellen stammen aus Museen, Archiven und privaten Sammlungen. Damit eignet sich „Hellweg-Armageddon“ hervorragend, um Schülerinnen und Schüler ortsunabhängig mit lokalen Quellen zum Ersten Weltkrieg arbeiten zu lassen.
https://unna1914.hypotheses.org/

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