Kurze Erläuterung
Feldpostbriefe waren nicht das einzige Medium, mit welchem Soldaten, die an den Mordaktionen an der jüdischen Bevölkerung beteiligt waren, der deutschen Heimat von den Geschehnissen an der Front und in den besetzten Gebieten Bericht erstatten konnten. Handliche Fotokameras zur privaten Nutzung ermöglichten es einigen Soldaten, mitunter auch Fotografien von der Front mit in den Heimaturlaub zu nehmen, wo sie diese Freunden und Verwandten zeigen konnten. Mitunter dokumentieren solche Fotos den Alltag, das Soldatenleben, die Landschaft und die Menschen in den Regionen oder eben auch den Holocaust und weitere Kriegsverbrechen.
Relevanz des Materials
Die Ermahnung des Kreisleiters Crampe verdeutlicht, dass die (systematische) Ermordung von Juden und Jüdinnen innerhalb der Wehrmacht und ihren Angehörigen durchaus bekannt war. Crampe reagiert weder überrascht noch verurteilt er die Erschießungen selbst. Seine Reaktion sowie das Ausbleiben einer Strafe machen deutlich, dass das Wissen über den Holocaust keinesfalls nur den Beteiligten vorbehalten war, sondern sowohl innerhalb des Militärs als auch in Kreisen der Zivilbevölkerung Kenntnis über die Shoah vorhanden gewesen sein musste. Über die Motivation, solch ein Ereignis zu fotografieren, ist in diesem Fall nichts bekannt. Möglich wäre ein Dokumentieren des Handelns der Soldaten als eine Art Trophäe aber auch als Beweis für die Gräuel, die sowohl an als auch hinter der Front geschahen, also zu aufklärerischen Zwecken. Neben diesen zwei Deutung wäre es auch möglich, dass das Fotografieren ein Festhalten des, wenn auch sehr brutalen, Arbeitsalltags war.
Mario Polzin
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