Kurze Erläuterung

Kaiser Friedrich I. (um 1122 – 1190) gilt als eine der bedeutendsten historischen Persönlichkeiten des Hochmittelalters. Als Sohn des staufischen Herzogs Friedrich von Schwaben und der welfischen Judith, Tochter Heinrichs des Schwarzen, Herzog von Bayern, vermochte er es nicht nur, die langen Streitigkeiten zwischen den beiden Adelsgeschlechtern zu besänftigen, sondern auch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auszubauen und zu erweitern. Ein spezifischer Bezug zur Region Westfalen ergibt sich durch die Person des Grafen Otto von Cappenberg, dem Taufpaten des aufgrund seines roten Bartes auch „Barbarossa“ genannten Kaisers. Anlässlich des 900. Geburtstags Friedrich I. konzipierte das LWL-Museum für Kunst und Kultur daher zwei umfassende Sonderausstellungen, die sich kritisch mit der historischen Person Friedrich I. und ihrer Wirkungsgeschichte auseinandersetzten. Im Rahmen dieser Ausstellungen wurde der Illustrator Niklas Schwartz mit der Gestaltung einer bigger-than-live Figur von Friedrich I. beauftragt.

Relevanz des Materials

Ein majestätisch anmutender Mann mit markantem Gesicht und einem leuchtend rot-orangenem Bart. In der Hand ein Schwert und die Reichskrone auf dem Haupt: In der Illustration erscheint der Stauferkaiser Friedrich I. „Barbarossa“ als moderne, comicartige Figur. Doch wie lässt sich das Erscheinungsbild einer Person rekonstruieren, von der keine authentischen Bildzeugnisse im modernen Sinne existieren? Bei der Gestaltung der Illustration orientierte sich der Künstler und Historiker an historischen Vorbildern, wie beispielsweise Christian Siedentopfs Kupferstich aus dem Jahr 1847 oder der Kyffhäuser Statue von Nikolaus Geiger. Gleichzeitig inspirierten ihn auch Illustrationen aus dem Videospiel „Age of Empires II“ sowie der Stil klassisch US-amerikanischer Comics. Starke Schatten und akzentuierte Linien finden sich hier wieder. Die Betrachtung verschiedener Darstellungen Barbarossas, offenbart, dass der Kaiser je nach Epoche und Medium höchst unterschiedlich inszeniert wurde. Dies verdeutlicht eine grundlegende Prämisse der Geschichtswissenschaft. Historische Persönlichkeiten sind für uns immer nur durch historische Darstellungen greifbar. Nur durch die Analyse von Fremd- und Selbstdarstellungen in Form von Statuen, Gemälden oder Chroniken kann sich den historischen Persönlichkeiten angenähert werden. Diese Quellen sind jedoch stets von den politischen Absichten, ästhetischen Ansprüchen oder religiösen Überzeugungen ihrer Urheber:innen gefärbt. Wir sehen Friedrich I. nicht, wie er wirklich war, sondern wie er gesehen werden sollte oder wie wir ihn uns heute vorstellen möchten. Ein Vergleich der Illustration mit anderen Darstellungen oder Beschreibungen Barbarossas vermag den Prozess der Re- und Dekonstruktion historischer Darstellung zu verdeutlichen.

Elisa Gernert

Lernort 

Die Kunstvermittlung versteht sich als Mittlerin zwischen Ausstellungsinhalten und Interessen der Besucher:innen. Sie entwickelt Vermittlungsformen und -medien, die sich im Hinblick auf lebenslanges Lernen an ein breites Besucherspektrum richten. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur ist offen für verschiedene Perspektiven, Kenntnisse und Wünsche. Deshalb begleitet es den Besuch individuell mit anregenden Dialogen vor den Kunstwerken. Für alle, die zum ersten Mal zu Besuch ins LWL-Museum für Kunst und Kultur kommen, gibt es Überblicks-Touren in Deutsch, Englisch, Französisch, Gebärdensprache, leichter Sprache und Niederländisch. Ein wichtiger Fokus der Arbeit liegt auf der Begegnung von Kindern und Jugendlichen mit Kunst, die das Ziel verfolgt, die Entwicklungen und Kompetenzen zu stärken. Dies gelingt besonders durch Workshop-Formate für Kitas und Schulen, aber auch durch Fortbildungen für Pädagog:innen und Lehrer:innen. Neben Gruppenangeboten bietet es zudem ein differenziertes offenes Programm. Im Museum begleitet der Mediaguide individuelle Entdeckungsreisen. Besucher:innen können mit Online-Materialien Ausstellungen vor- und nachbereiten. Einzigartig ist das Kidditorial zu August Macke, das Kindern einen spielerischen Zugang zu dem Künstler und seiner Kunst ermöglicht. Regelmäßige neue Podcastfolgen, der Blog „Kunststory“, Kurzvideos sowie Touren über Zoom und Instagram lassen Interessierte von zuhause teilhaben.

LWL-Museum für Kunst und Kultur