Illustration von Friedrich I.

Darstellungen historischer Persönlichkeiten

Wie sah Barbarossa wirklich aus? Eine Beschreibung aus dem 12. Jahrhundert

„Seine leibliche Gestalt ist wohl gebaut, von Statur kleiner als die Größten und größer als die Mittelgroßen, sein Haar ist blond und oben an der Stirn etwas gekräuselt, die Ohren werden kaum durch darüberfallende Haare verdeckt, da der Barbier aus Rücksicht auf die Würde des Reichs das Haupthaar und den Backenbart durch dauerndes Nachschneiden kürzt. Seine Augen sind scharf und durchdringend, die Nase schön, der Bart rötlich, die Lippen sind schmal und nicht durch breite Mundwinkel erweitert, und das ganze Antlitz ist fröhlich und heiter. Die in schöner Ordnung stehende Reihe der Zähne zeigt schneeige Weiße. An der Kehle und am nicht fetten, aber ziemlich kräftigen Hals ist die Haut milchigweiß und manchmal mit jugendlicher Röte übergossen. […] Die Schultern sind etwas hochstehend, in den kurzen Weichen liegt Kraft, die Schenkel ruhen auf starken Waden, sind ansehnlich und durchaus männlich. Sein Gang ist fest und gleichmäßig, seine Stimme hell und die ganze Körperhaltung männlich. Durch diese Leibesgestalt gewinnt er sowohl im Stehen wie im Sitzen höchste Würde und Autorität.“ (Rahewin, Gesta IV, 86 ed. Schmale, 708ff; Oppl 36).

So beschreibt Rahewin, ein Chronist des 12. Jahrhunderts, das Aussehen Friedrichs I. (um 1122 – 1190). Der Stauferkaiser gilt als eine der bedeutendsten historischen Persönlichkeiten des Hochmittelalters. Ein spezifischer Bezug zur Region Westfalen ergibt sich durch die Person des Grafen Otto von Cappenberg, dem Taufpaten des aufgrund seines roten Bartes auch „Barbarossa“ genannten Kaisers. Anlässlich des 900. Geburtstags Friedrich I. im Jahr 2022 konzipierte das LWL-Museum für Kunst und Kultur daher zwei umfassende Sonderausstellungen, die sich kritisch mit der historischen Person Barbarossas und ihrer Wirkungsgeschichte auseinandersetzten. Im Rahmen dieser Ausstellungen wurde der Grafikdesigner Niklas Schwartz mit der Gestaltung einer bigger-than-live Figur von Friedrich I. beauftragt.

Moderne Interpretation

Ein majestätisch anmutender Mann mit markantem Gesicht, flammend rot-orangefarbenem Bart, das Schwert fest umschlossen und die Reichskrone auf dem Haupt. Die Illustration präsentiert Barbarossa als moderne, comicartige Figur. Aber wie lässt sich das Erscheinungsbild einer Person rekonstruieren, von der keine „authentischen“ Bildzeugnisse im modernen Sinne existieren? Bei der Gestaltung der Illustration orientierte sich der Künstler und Historiker an historischen Vorbildern, wie beispielsweise Christian Siedentopfs Kupferstich aus dem Jahr 1847 oder der Kyffhäuser Statue von Nikolaus Geiger. Gleichzeitig inspirierten ihn auch Illustrationen aus dem Videospiel „Age of Empires II“ sowie der Stil klassisch US-amerikanischer Comics. Starke Schatten und akzentuierte Linien finden sich hier wieder.

Die Betrachtung verschiedener Darstellungen Friedrich I., offenbart, dass der Kaiser je nach Epoche und Medium höchst unterschiedlich inszeniert wurde und wird. Dies verdeutlicht eine grundlegende Prämisse der Geschichtswissenschaft. Historische Persönlichkeiten sind für uns niemals unmittelbar, sondern stets durch historische Darstellungen vermittelt greifbar. Nur durch die Analyse von Fremd- und Selbstdarstellungen oder technischen Rekonstruktionen kann sich den historischen Persönlichkeiten angenähert werden. Diese Quellen sind jedoch stets von den politischen Absichten, ästhetischen Ansprüchen oder religiösen Überzeugungen ihrer Urheber:innen gefärbt. Wir sehen Friedrich I. nicht, wie er wirklich war, sondern wie er gesehen werden sollte oder wie wir ihn uns heute vorstellen möchten.

Ein Vergleich der Illustration mit anderen schriftlichen Quellen oder Bildzeugnissen vermag den Prozess der Re- und Dekonstruktion historischer Darstellung exemplarisch zu verdeutlichen. Eine Einbettung dieses Themas im Geschichtsunterricht könnte wie folgt aussehen.

Mögliche Einbettung in den Unterricht

Die Klasse arbeitet in zwei Gruppen.  Gruppe A arbeitet mit der Beschreibung Rahewins, Gruppe B mit der Illustration von Niklas Schwarz.

  1. Untersucht markante Züge und die äußere Erscheinung Barbarossas und verfasst basierend darauf eine Personenbeschreibung.
  2. Vergleicht die erarbeiteten Beschreibungen miteinander. Arbeitet dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
  3. Nehmt Stellung, warum sich die beiden Personenbeschreibungen unterscheiden.

Alternativ könnten die Schüler:innen selbst Bilder von Barbarossa auf Basis Rahewins Beschreibung erstellen lassen. Die Nutzung einer bildgenerativen Künstlichen Intelligenz (KI) ermöglicht hier einen kreativen Zugang, bei dem langwierige Phasen des Zeichnens umgangen werden können. Die Lernenden haben den Auftrag, einen Prompt zu entwerfen, ohne dabei den Namen Barbarossas oder Begriffe wie Kaiser oder König zu nennen. So soll verhindert werden, dass die KI lediglich online verfügbare Darstellungen Barbarossas zur Generierung des Bildes heranzieht.

  1. Untersucht markante Züge und die äußere Erscheinung der Person in dem Text und verfasst einen Prompt für eine bildgenerierende KI.
  2. Vergleicht „euren“ Barbarossa mit der Zeichnung von Niklas Schwarz und stellt Gemeinsamkeiten und Unterschiede gegeneinander.
  3. Nehmt Stellung, warum sich die Darstellungen unterscheiden.

Die Auseinandersetzung mit der Barbarossa-Figur von Niklas Schwartz kann somit als Ausgangspunkt einer kritischen Auseinandersetzung mit historischen Darstellungen fungieren. Dabei lernen die Schüler:innen, dass diese keine Abbilder, sondern interpretative Konstrukte sind, die je nach Entstehungszeit, Quellenlage und Intention sehr unterschiedlich ausfallen können.

Literatur

  • Görich, Knut: Friedrich Barbarossa. Eine Biografie, München 2011.
  • Informationsseite der Burgruine Hohenstaufen.
  • Theodor-Zink-Museum Kaiserslautern: Ausstellung „Barbarossa – Historie, Mythos, Marketing“. Arbeitsblatt 2, online unter: https://www.kaiserslautern.de/mb/themen/kultur/kunst_museen/theodorzink/museum/pdf/ab11_barbarossa_und_der_dritte_.pdf, zuletzt abgerufen am 20.03.2026.