Pfennig mit Westfalenpferd
Sachquelle
Westfalen 1480-1508

Kurze Erläuterung
Schon seit der im 8. Jahrhundert von Karl dem Großen veranlassten Christianisierung des Sachsenlandes, welches auch das heutige Westfalen umfasste, bestand eine enge Verbindung weiter Teile Westfalens zum Erzbistum Köln. Im späten 12. Jahrhundert wurden die Kölner Erzbischöfe dann auch formell die Herzöge von Westfalen, obwohl die Grenzen des Herzogtums zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar definiert waren. Erst im Laufe der folgenden Jahrhunderte konnten die Erzbischöfe ihre Herrschaft über westfälische Städte und Regionen wirklich festigen.
Unter dem Kölner Erzbischof Hermann IV. von Hessen, der sein Erzbischofsamt von 1480 bis zu seinem Tod 1508 ausführte und seit 1498 auch Fürstbischof von Paderborn war, kam es zu einer relativen Friedenszeit und Stabilisierungsphase in Westfalen, die Hermann auch den Beinamen „der Friedsame“ einbrachte. In seiner Amtszeit wurde unter anderem dieser Pfennig geprägt, der auf einer Seite das Wappen Hermanns IV. von Hessen zeigt, auf der anderen eine der frühesten Darstellungen des Westfalenpferdes auf einer Münze.

Relevanz des Materials
Einerseits bietet insbesondere die Darstellung des Westfalenpferdes, das bis heute das Wappen Westfalens und damit auch das Landeswappen Nordrhein-Westfalens prägt, einen Bezugspunkt in der Geschichte des Landes, denn es zeigt, dass Westfalen schon seit Jahrhunderten von derselben Symbolik repräsentiert wird.
Darüber hinaus kann die Münze jedoch auch genutzt werden, um die Zurschaustellung von Herrschaftsansprüchen in einer zum Großteil noch nicht alphabetisierten Gesellschaft zu thematisieren. Dabei kann insbesondere die Bedeutung von Wappen und Symbolen als Repräsentationsmittel herausgestellt werden: In diesem Falle wird das persönliche Wappen des Kölner Erzbischofs mit dem Symbol Westfalens untrennbar auf einer Münze vereint. Durch die Nutzung als Zahlungsmittel und die damit verbundene Allgegenwärtigkeit der Wappensymbolik wird die Verbindung zwischen dem Erzbischof und Herzogtum Westfalen auch ohne geschriebenes Wort normalisiert und bekräftigt. Dabei lassen sich wiederum Kontinuitätslinien in der Geschichte aufzeigen: Schon auf römischen Münzen waren Namen und/oder Porträts von Herrschern eingeprägt. In einigen Währungen, wie etwa dem britischen Pfund, sind derartige Prägungen noch bis heute gängig.

Mario Polzin

Lernort 

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