Büste von Jérôme Bonaparte
Sachquelle
Königreich Westphalen 1811

Kurze Erläuterung
Am 18. August 1807 gründete der französische Kaiser Napoleon im Zuge des Friedenschlusses von Tilsit per Dekret das Königreich Westphalen. Dieses Königreich reichte weit über das historische und das heutige Westfalen hinaus, was sich schon in der Wahl Kassels als Hauptstadt zeigt. Das Territorium umfasste weite Teile des früheren „Kurhessen“ sowie des ehemaligen Königreichs Hannover. Zur Differenzierung wird daher für das Königreich oft die Schreibweise Westphalen verwendet.
Als König Westphalens setzte Napoleon seinen jüngsten Bruder Jérôme ein, dem somit die Verwaltung des Vasallenstaats übertragen wurde. Dabei hatte er sich strikt an der Innen- wie Außenpolitik Napoleons sowie an dessen weiteren Vorgaben zu orientieren, die Westphalen zu einem post-revolutionären Musterstaat formen sollten. Das spiegelt sich etwa in der gesetzlichen Abschaffung der Leibeigenschaft, der Einführung der Religionsfreiheit oder auch der Einführung der ersten Verfassung im deutschen Raum, der Constitution, wider.
Aber auch in der repräsentativen Selbstdarstellung orientierte sich Jérôme an der Vorgehensweise seines älteren Bruders und ließ zahlreiche Darstellungen von sich anfertigen und verbreiten. Darunter auch die hier zu sehende Büste, welche in zwölffacher Ausführung geschaffen wurde und die an die acht Departments sowie drei Städte im Königreich (Braunschweig, Hannover und Magdeburg) verteilt worden sind, wo sie an repräsentativen Orten ausgestellt werden mussten.

Relevanz des Materials
Einerseits bietet insbesondere die Darstellung des Westfalenpferdes, das bis heute das Wappen Westfalens und damit auch das Landeswappen Nordrhein-Westfalens prägt, einen Bezugspunkt in der Geschichte des Landes, denn es zeigt, dass Westfalen schon seit Jahrhunderten von derselben Symbolik repräsentiert wird.
Darüber hinaus kann die Münze jedoch auch genutzt werden, um die Zurschaustellung von Herrschaftsansprüchen in einer zum Großteil noch nicht alphabetisierten Gesellschaft zu thematisieren. Dabei kann insbesondere die Bedeutung von Wappen und Symbolen als Repräsentationsmittel herausgestellt werden: In diesem Falle wird das persönliche Wappen des Kölner Erzbischofs mit dem Symbol Westfalens untrennbar auf einer Münze vereint. Durch die Nutzung als Zahlungsmittel und die damit verbundene Allgegenwärtigkeit der Wappensymbolik wird die Verbindung zwischen dem Erzbischof und Herzogtum Westfalen auch ohne geschriebenes Wort normalisiert und bekräftigt. Dabei lassen sich wiederum Kontinuitätslinien in der Geschichte aufzeigen: Schon auf römischen Münzen waren Namen und/oder Porträts von Herrschern eingeprägt. In einigen Währungen, wie etwa dem britischen Pfund, sind derartige Prägungen noch bis heute gängig.

Mario Polzin

Lernort 

Die Kunstvermittlung versteht sich als Mittlerin zwischen Ausstellungsinhalten und Interessen der Besucher:innen. Sie entwickelt Vermittlungsformen und -medien, die sich im Hinblick auf lebenslanges Lernen an ein breites Besucherspektrum richten. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur ist offen für verschiedene Perspektiven, Kenntnisse und Wünsche. Deshalb begleitet es den Besuch individuell mit anregenden Dialogen vor den Kunstwerken. Für alle, die zum ersten Mal zu Besuch ins LWL-Museum für Kunst und Kultur kommen, gibt es Überblicks-Touren in Deutsch, Englisch, Französisch, Gebärdensprache, leichter Sprache und Niederländisch. Ein wichtiger Fokus der Arbeit liegt auf der Begegnung von Kindern und Jugendlichen mit Kunst, die das Ziel verfolgt, die Entwicklungen und Kompetenzen zu stärken. Dies gelingt besonders durch Workshop-Formate für Kitas und Schulen, aber auch durch Fortbildungen für Pädagog:innen und Lehrer:innen. Neben Gruppenangeboten bietet es zudem ein differenziertes offenes Programm. Im Museum begleitet der Mediaguide individuelle Entdeckungsreisen. Besucher:innen können mit Online-Materialien Ausstellungen vor- und nachbereiten. Einzigartig ist das Kidditorial zu August Macke, das Kindern einen spielerischen Zugang zu dem Künstler und seiner Kunst ermöglicht. Regelmäßige neue Podcastfolgen, der Blog „Kunststory“, Kurzvideos sowie Touren über Zoom und Instagram lassen Interessierte von zuhause teilhaben.

LWL-Museum für Kunst und Kultur