Vergil-Ausgabe
Sachquelle
Coesfeld 1491

Kurze Erläuterung

Im Coesfelder Gymnasium Nepomucenum befindet sich eine alte Jesuitenbibliothek. Das heutige städtische Gymnasiumwurde 1626 von Jesuiten als Kolleg, als Ort der Schulbildung, gegründet. In der nach ihnen benannten „Jesuitenbibliothek“ werden zahlreiche alte Bücher aufbewahrt. Zur Sammlung gehört auch eine Vergil-Ausgabe aus dem Jahre 1491/92. Von dieser Auflage existieren weltweit nur noch neun Stück, nördlich der Alpen gibt es noch ein weiteres in Den Haag. Gedruckt wurde dieses Exemplar mittels des sog. Wiegedrucks  – auch Inkubel genannt, der Drucktechnik, mit der auch die erste, vollständig gedruckte Gutenberg-Bibel gefertigt wurde. Der Holzdeckel ist mit Verzierungen in Kalbsleder überzogen.
Das Buch versammelt die Hauptwerke des Dichters: Die Eklogen (Hirtengedichte), die Georgica (Lied vom Landbau) und die Aeneis (Heldenepos).
Vergil bzw. Virgil (eigentlich Publius Vergilius Maro,  70. – 19. vor Chr.) gilt als wichtigster Autor der klassischen römischen Antike und ist ein Klassiker der lateinischen Schullektüre.
Das Buch war seit ca. 1590 in Coesfeld und gehörte dem Beichtvater der Schwestern vom Kloster Marienbrink bei Borken (1424–1810). Im 19. Jahrhundert erwarb es dann ein Professor, der am Gymnasium tätig war. So kam das Buch in den Besitz der Schule.

Relevanz des Materials

Anhand der Coesfelder Vergil-Ausgabe lässt sich einerseits nachzeichnen, wie die Wiederentdeckung antiker Literatur (Renaissance) sich auch in Westfalen vollzog und die humanistischen Ideen – wenn auch erst hundert Jahre nach ihrem Druck – auch nach Coesfeld gelangt sind. Dieser Wissenstransfer wurde zudem durch den Buchdruck deutlich beschleunigt, wie ihn in Europa die beweglichen Lettern Gutenbergs ermöglicht hat.
In den Bestand der Bibliothek kam dieser Vergil-Druck im 19. Jahrhundert und lagert seitdem in der Schule. Damit ist sie ebenfalls ein wichtiges Element der westfälischen Geistesgeschichte. Die Anfänge der Bibliothek reichen in die Gründungszeit der Schule im Jahre 1627 zurück, als die Jesuiten in Coesfeld ein Kolleg aufbauten. Aus dieser Zeit sind noch ca. 1.000 Bücher im Bestand. Die Bücherei umfasst insgesamt 11.000 Bände, ihr Bestand vermehrte sich besonders im 19. Jahrhundert unter dem Direktor Bernhard Sökeland. Sie umfasst alle Wissensgebiete, zum Beispiel Reisebeschreibungen, Heimatgeschichte, Botanik oder Musik.

Hendrik Lange

Lernort 

Die Bücherei umfasst insgesamt 11.000 Bände und ist Teil des Nepomucenums. Sie umfasst alle Wissensgebiete, zum Beispiel Reisebeschreibungen, Heimatgeschichte, Botanik oder Musik.

Jesuitenbibliothek Coesfeld