Gürtelbeschlag mit Odin-Motiv
Sachquelle
Paderborn 7. Jhd. n. Chr.

Kurze Erläuterung

Über die vorchristlichen Glaubenswelten der Westfalen ist aufgrund der Knappheit materieller sowie schriftlicher Überlieferungen kaum etwas bekannt. Erst die Sachsenkriege des 8. Jahrhunderts und die mit ihnen verbundene Christianisierung und Eingliederung in das Fränkische Reich sorgten für die Ausbildung einer Schriftkultur, die Glaubensinhalte und sonstige Vorstellungswelten festhalten und überliefern konnte. Die wenigen religiösen Symbole, die sich dennoch erhalten haben, sind deshalb von besonderer Bedeutung.
Ein solches Beispiel ist der hier zu sehende Gürtelbeschlag, der auf das 7. Jahrhundert datiert wird. In der Mitte ist eine menschliche, einäugige Person zu erkennen, die von zwei Tierfiguren umrahmt wird. Der gängigen Deutung nach handelt es sich bei der menschlichen Figur um die zentrale Gottheit Odin (regional auch Wodan) und um die ihm zugeschriebenen zwei Raben.

Relevanz des Materials

Anhand des Gürtelbeschlags lässt sich ein Bezug zwischen den vorchristlichen Glaubenswelten der Westfalen mit jenen anderer Teile des heutigen Deutschlands und Skandinaviens herstellen. Insbesondere in der Popkultur ist der skandinavische Gott Odin mit dem skandinavischen Raum und den medial recht präsenten „Wikingern“ verbunden, welche darüber hinaus kaum in engere Verbindung mit den Westfalen gebracht werden können. Insofern kann der Gürtelbeschlag auch als Anlass dazu dienen, den überregionalen Austausch von Wissen und Glaubensvorstellungen in vorschriftlicher Zeit zu thematisieren, und diesen in Kontrast mit der von Karl dem Großen geförderten Schriftkultur zu setzen. Während also das Christentum in seinen Grundzügen schriftlich fixiert ist und somit im Kern überall gleichbleiben konnte, können schriftlose Glaubenssysteme wesentlich größere Variationen aufweisen, sodass Informationen, die uns heute über die vorchristlichen Vorstellungen Skandinaviens bekannt sind, trotz gleicher oder ähnlicher Symbolik nicht mit Sicherheit auf Westfalen übertragbar sind.

Mario Polzin

Lernort 

Das LWL-Museum in der Kaiserpfalz zeigt archäologische Funde aus Paderborn und Westfalen vom 6.-12. Jahrhundert. Gezeigt werden Exponate des frühen Mittelalters zu Themen wie der Christianisierung durch Karl des Großen, aber auch Gradbeigaben, Waffen und Schmuck. Neben der Dauerausstellung gibt es auch jährlich wechselnde Sonderausstellungen.

LWL-Museum in der Kaiserpfalz