Der Kreis von Münster
Bildquelle
Angelmodde 1864

Kurze Erläuterung

Das Gemälde „Der Kreis von Münster – Die Fürstin von Gallitzin im Kreis ihrer Freunde“ wurde 1864 von dem aus Münster stammenden Maler Theobald von Oer geschaffen und zeigt eine fiktive Zusammenkunft des Kreises um Fürstin Amalie von Gallitzin auf ihrem Landsitz in Angelmodde um 1800. Im Zentrum steht Gallitzin, umgeben von bedeutenden Vertretern des Kreises, darunter Franz von Fürstenberg, Bernhard Overberg und Leopold zu Stolberg. Der Kreis hatte sich zunächst als literarisch-philosophischer Zirkel im Geist der Aufklärung entwickelt und stand für eine Verbindung von Bildung, gesellschaftlicher Reform und katholischem Glauben. Zugleich unterhielten seine Mitglieder Kontakte zu protestantischen Denkern wie Hamann und Hemsterhuis sowie zum Weimarer Umfeld um Goethe und Herder..

Relevanz des Materials

Das Gemälde ermöglicht einen problemorientierten Zugang zur katholischen Aufklärung in Westfalen. Von besonderer Bedeutung ist zunächst die Zusammensetzung des dargestellten Personenkreises. Über die einzelnen Personen können die Schülerinnen und Schüler erschließen, dass im „Kreis von Münster“ Vertreter aus Adel, Geistlichkeit, Wissenschaft und Literatur zusammenkamen. Aufklärung wird dadurch nicht als einheitliche Bewegung, sondern als gesellschaftliches und geistiges Netzwerk sichtbar.

Ein besonderes Irritationsmoment bietet das Kruzifix im Hintergrund. Die deutlich katholische Prägung des Bildraums kann zunächst im Widerspruch zu einem Verständnis von Aufklärung erscheinen, das vor allem mit Vernunft, Kritik an überlieferten Autoritäten und einer Distanzierung von Religion verbunden wird. Daraus lässt sich die Frage entwickeln, inwiefern Aufklärung und Katholizismus in Westfalen im Widerspruch oder im Einklang standen. Das Gemälde dient somit als problemorientierter Impuls, um ein vereinfachtes Verständnis von Aufklärung als grundsätzlich religionsfeindlicher Bewegung zu hinterfragen.

Eine zusätzliche Vertiefung bietet die Entstehungszeit 1864. Da das Gemälde mehr als 60 Jahre nach der dargestellten Zeit entstand und die gezeigte Zusammenkunft in dieser Form nicht stattgefunden hat, kann es als historisierende und idealisierende Konstruktion untersucht werden. Damit eröffnet sich die weiterführende Frage, warum im 19. Jahrhundert gerade ein solches Bild des katholisch-aufgeklärten Münster geschaffen und welche Vorstellung von der eigenen Vergangenheit damit vermittelt wurde.

Eyline Hinrichs

Lernort 

Das Bistum Münster ist eine flächenmäßig nicht zusammenhängende römisch-katholische Diözese im Münsterland, im nördlichen Ruhrgebiet und am Niederrhein sowie im Oldenburger Land. Es ist als Suffraganbistum Teil der Kirchenprovinz Köln und seit 2024 das mitgliederstärkste katholische Bistum im deutschsprachigen Raum.

Bischöfliches Generalvikariat