Engelbert Kaempfers Empfang beim Kaiser von Japan
Textquelle
Lemgo / Japan 17. Jahrhundert

Kurze Erläuterung

Engelbert Kaempfer wurde 1651 als Sohn eines Pastors in Lemgo geboren. Er besuchte Gymnasien in verschiedenen Städten und studierte Philosophie und Medizin u.a. in Krakau und Königsberg. 1681 kam er an die Akademie in Uppsala, Schweden. Von hier begleitete er 1683 als Arzt und Sekretär eine schwedische Gesandtschaft an den russischen und persischen Hof. Daraus wurde eine zehnjährige Forschungs- und Entdeckungsreise, die ihn zuerst nach Russland und Persien und dann als Angestellten der Niederländischen Ost-Indien Kompagnie (VOC) über Indien, Java und Siam nach Japan führte. Kaempfer hielt seine Erfahrungen und Eindrücke in umfangreichen und detaillierten Notizen fest, die einzigartige Quellen u.a. zum Leben am persischen Hof im 17. Jahrhundert sowie zu Natur, Gesellschaft und Herrschaft Japans, das sich ab 1638 rigoros gegen westliche Einflüsse abgeschirmt hatte, darstellen. Höhepunkte seines Japan-Aufenthaltes stellten die beiden Reisen von der Insel Dejima (Deshima) bei Nagasaki, dem einzig erlaubten Anlaufhafen der VOC, ins Innere Japans an den Hof des Shoguns in Edo (Tokio) dar. Auf diesen Reisen sowie während seines Aufenthaltes als Stationsarzt in Dejima sammelte er zahlreiche Informationen.
Nach seiner Rückkehr über Amsterdam nach Lemgo 1694 wurde er Leibarzt des Fürsten von Lippe in Detmold und verfasste bis 1712 die „Amoenitas Exoticae“ (Exotische Landschaften), in der er seine Notizen und Erfahrungen verarbeitete. Seine zweite Publikation, „Heutiges Japan“, konnte er vor seinem Tod 1716 nicht mehr vollenden; sie erschien 1727 in einer Bearbeitung des Schweizers Johann Caspar Scheuchzer auf Englisch unter dem Titel „The History of Japan“. Heute gilt Kaempfer als einer bedeutendsten deutschen Forschungsreisendern, dessen botanische Forschungen sogar von Carl von Linné (1707-1778), der als Begründer der systematischen Erfassung der Natur gilt, vielfach verwendet wurden. Auch seine Erkenntnisse und Forschungen zu Japan blieben bis weit ins 19. Jahrhundert maßgebend. In diesem Abschnitt schildert er die Erlebnisse seines ersten Aufeinandertreffens mit dem Kaiser und seinem Hofstaat.

Relevanz des Materials

Anhand von Engelbert Kaempfers Reisebericht kann exemplarisch die Erfahrung von Kulturkontakten während Handels- und Entdeckungsreisen skizziert werden. Kaempfer schildert äußerst detailreich seine individuelle Wahrnehmung des japanischen Kaiserhofes, wodurch er der empfundenen Fremdartigkeit und den Unterschieden in den Bräuchen und Gepflogenheiten Ausdruck verleiht. Beide Seiten scheinen eine Faszination für das Fremde zu hegen, was neben einiger Possten auch in einem Kultur- und Wissensaustausch mündet, wie er sich etwa in Kaempfers Befragung zu medizinischen Themen und Behandlungsmethoden wiederspiegelt.
Als einer der Höhepunkte in der Biografie Engelbert Kaempfers kann dieser kaiserliche Empfang auch als Einstieg in seine Person genutzt werden. Neben seinen Besuchen in Japan bereiste er etwa auch Russland, den persischen Raum und Indonesien, wo er landeskundliche wie naturwissenschaftliche Studien betrieb, die ihn zu einem Wegbereiter der systematischen Erforschung der Natur machen. Dabei kann auch die Rolle des Humanismus in den Fokus gerückt werden, in dessen Geiste Kaempfer forschte.
Gleichzeitig kann aber auch die niederländische Ostindienkompanie (VOC) als „global player“ thematisiert werden, die ihrerseits den beginnenden Kolonialismus sowie die Ursprünge der Globalisierung verkörpert, konnte sie sich doch bereits im 17. Jahrhundert ein Handelsmonopol mit dem sich ansonsten völlig isolierenden Japan sichern.

Dr. Alexandra Bloch-Pfister / Mario Polzin

Lernort 

Im „Hexenbürgermeisterhaus“ ist seit 2007 das Städtische Museum Lemgo untergebracht. Von 1667-1683 bewohnte es Bürgermeister Hermann Cothmann, ein fanatischer Hexenjäger. Das Haus stellt eines der bedeutendsten Baudenkmäler städtischer Architektur der Renaissance im Weserraum dar und präsentiert neben Stadtgeschichte und Hexenverfolgung Leben, Reisen und Werk von Engelbert Kaempfer.

Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo